Wolfgang Tiefensee besucht die Firma Sonnplast in Sonneberg und ist von den Projekten zur Nachhaltigkeit und deren neuen Produkte rundum begeistert.

Foto: Carl-Heinz Zitzmann

„Ich habe es endlich geschafft, dass ich der Einladung Folge leisten kann“, ist der Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee am Donnerstag stolz und schiebt gleich eine Entschuldigung für die kurze Verspätung nach. „Wir mussten an der roten Ampel länger warten“, bedauert er, denn er ist gerne pünktlich. Seine Gastgeber von der Firma Sonnplast nehmen es gelassen, denn es sind nur ein paar Minuten.
Geschäftsführer Axel Berke stellt das Unternehmen, in dem seit 30 Jahren Kunststoffprodukte hergestellt werden, in einer Präsentation kurz vor. Zurzeit sind bei Sonnplast 180 Mitarbeiter beschäftigt, die an über 40 Spritzgussmaschinen die verschiedenen Teile im Drei-Schicht-Betrieb fertigen. Kerngeschäft sind dabei die Teile für die Automobilindustrie, die jeder von uns in der ersten und zweiten Sitzreihe eines Autos sehen kann. Daneben gehören inzwischen 200 Produkte an Haushaltswaren zum Portfolio der Firma. „Derzeit sind wir dabei, Brücken zwischen beiden Bereichen zu schlagen“, erklärt Axel Berke und verweist darauf, dass es dabei darum geht, zu überprüfen, welche Bauteile man besser machen könne. Stolz ist er, dass mit zusätzlichen Angeboten wie Schweißen, Veredeln oder Bedrucken fast jede Anforderung der Kunden erfüllt werden kann. „Wie viele Leute sind in Entwicklung und Design beschäftigt?“, will der Minister wissen und erfährt, das es acht Leute sind.

Zurück nach Europa

Mit Blick auf die Vielzahl der Zulieferer für die Automobilindustrie interessiert Wolfgang Tiefensee mit wie vielen Konkurrenten sich die Sonneberger bei einer Ausschreibung messen müssen. „Fünf bis sechs sind in der engeren Auswahl“, antwortet der Geschäftsführer und ist zufrieden, dass sich gerade hier auf dem Markt einiges verändert hat. Ging früher alles nach China, hat sich das Bild inzwischen angesichts langer Lieferwege, die auch mal lange unterbrochen sein können, und hoher Kosten geändert. „Heute geht der Trend zurück nach Europa“, ist nicht nur er dankbar. Dennoch ist es gerade bei neuen Produkten nicht immer einfach. Ein Faktor sind dabei die Kosten. „Wir stellen die Werkzeuge selber her, müssen aber bis zur Herstellung sechs bis 12 Monate alles vorfinanzieren“, macht Axel Berke deutlich. Erst wenn der Kunde das Werkzeug gekauft hat, um so sicher zu sein, dass auch nur seine Teile damit produziert werden, verdiene man Geld. „Wie finanziert ihr das?“, interessiert den Minister und erfährt, dass meist dafür ein klassisches Darlehen notwendig ist. Gute Erfahrungen habe man aber auch mit dem sogenannten Factoring gemacht, bei dem der Kunde bereits im Vorfeld finanziert. Im konkreten Fall war es ein französisches Unternehmen, doch auch die Commerzbank biete dieses Modell an. Für Wolfgang Tiefensee sehr interessant, will er doch über die Thüringer Aufbaubank das Factoring auch für den Mittelstand anbieten. „Ein gutes Modell, um diesen zu entlasten“, ist Axel Berke überzeugt und gerne bereit, seine Erfahrungen mit den Mitarbeitern der Thüringer Aufbaubank zu teilen.

Über Outlet wird nachgedacht

Überrascht ist Wolfgang Tiefensee, als er in der Präsentation auch Lebensmittelketten als Kunden entdeckt hat. Doch Verpackungen wie Joghurtbecher werden bei Sonnplast nicht hergestellt. Vielmehr sind es Kunststoffbehälter für alle möglichen Dinge, Klappboxen oder Eimer. Und die sogar nicht zu 100 Prozent aus Kunststoff, sondern mit Anteilen von Papier oder Holz. Gerade in puncto Nachhaltigkeit hat das Unternehmen nämlich einiges verändert. So wurden 3,5 Millionen Plastiktüten, in denen die Teile verpackt waren, durch Mehrwegverpackungen ersetzt. Außerdem wird strikt der Müll getrennt, vor Ort in Ballen verpresst und dem Produktionskreislauf wieder zurückgeführt. Bei der neuesten Spritzgussmaschine hat man zudem ganz bewusst das Co2-Zertifikat mit aufgenommen und bei vielen Produkte sind inzwischen Zuckerrohr, Zellulose oder Holz als Basis mit drin. „Ihr seid ja richtig innovativ“, lobt der Minister und verweist darauf, dass gerade bei Papier und Kunststoff die Recyclingquote sehr hoch ist. „Wenn man ihn vernünftig in den Kreislauf einspeist, ist Kunststoff ein sehr guter Rohstoff und wird leider zu oft verteufelt“, meint er. Da sicherlich nur wenige von den guten Produkten von Sonnplast wissen, fragt er nach einem Werksverkauf gibt. „Im Moment noch nicht, aber wir denken darüber nach“, erklärt Axel Berke.

Positiv kann er auch die Frage nach der Zusammenarbeit mit der Industrie beantworten. Konkret nennt er hier zwei Forschungsprojekte. „Eins mit Audi und eins mit einem Automobilhersteller aus München“, erklärt er. „Wer das wohl ist“, kann sich Wolfgang Tiefensee nicht verkneifen, freut sich aber zu hören, dass es auch hier um die Nachhaltigkeit geht. Einmal um die Wiederverwendung von Autoteilen und einmal um den Einsatz von Holzkunststoff.

Einige der neuen Produkte darf der Minister bewundern. „Und das ist aus Papier?“, kann er nicht glauben, als ihm der technische Leiter, Uwe Langenberg, eine Rückenlehne für einen Autositz zeigt. Genau so überrascht ist er über den Eimer, der mit einem Anteil von Holz hergestellt wurde. Lediglich der Geruch verrät, dass hier ein nachwachsender Rohstoff drin ist.

Bei einem Rundgang durch die Produktionshalle darf Wolfgang Tiefensee anschließend genau zusehen, wie so ein Eimer entsteht.

 

Cathrin Nicolai – Freies Wort

Fotos: Carl-Heinz Zitzmann